
Auf einen Blick:
• 4 – 6 Infusionen zum Therapiebeginn
• ambulant
• ärztlich überwacht
• Selbstzahlerleistung
• Off-Label-Therapie
Bei chronischen Schmerzen kann sich die Schmerzverarbeitung im Nervensystem verändern. Schmerzreize werden dann verstärkt oder aufrechterhalten, auch wenn die ursprüngliche körperliche Ursache allein das Ausmaß der Beschwerden nicht mehr erklärt.
Bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren chronischen Schmerzen kann eine Ketamininfusion eine zusätzliche Therapieoption sein – insbesondere dann, wenn andere schmerzmedizinische Behandlungen nicht ausreichend wirksam waren oder wegen Nebenwirkungen nicht eingesetzt werden können.
Mögliche Einsatzgebiete sind beispielsweise:
• neuropathische Schmerzen und Nervenschmerzen
• komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
• chronische Schmerzen nach Operationen oder Nervenverletzungen
• chronische Schmerzsyndrome mit verstärkter zentraler Schmerzverarbeitung
• therapierefraktäre Schmerzen trotz Ausschöpfung etablierter Behandlungsverfahren
Ob eine Ketamintherapie sinnvoll ist, wird vor Behandlungsbeginn individuell schmerzmedizinisch geprüft.
Ketamin wird seit vielen Jahrzehnten in der Medizin eingesetzt und besitzt neben seiner Anwendung in der Anästhesie eine ausgeprägte schmerzhemmende Wirkung.
Ein wesentlicher Wirkmechanismus ist die Beeinflussung sogenannter NMDA-Rezeptoren im Nervensystem. Diese sind an der Verstärkung und Chronifizierung von Schmerzreizen beteiligt.
Vereinfacht gesagt kann Ketamin dazu beitragen, eine übersteigerte Schmerzverarbeitung im Nervensystem zu beeinflussen.
Ketamin wird über einen venösen Zugang langsam als Infusion verabreicht. Die Dosierung wird individuell festgelegt und liegt deutlich unter den Dosierungen, die für eine Narkose verwendet werden.
Während der Infusion erfolgt eine medizinische Überwachung.
Vorübergehend können unter anderem Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, Veränderungen der Wahrnehmung sowie Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz auftreten. Diese Effekte bilden sich nach Ende der Behandlung in der Regel wieder zurück.
Nach der Infusion erfolgt eine entsprechende Nachbeobachtung. Über das Verhalten nach der Behandlung und insbesondere über Einschränkungen der Teilnahme am Straßenverkehr werden Sie ausführlich informiert.
Die Wirkung von Ketamin lässt sich nach einer einzelnen Behandlung häufig noch nicht zuverlässig beurteilen. Wir empfehlen deshalb bei entsprechender Indikation zunächst eine Behandlungsserie von 4 bis 6 Infusionen.
Dabei beurteilen wir nicht nur die unmittelbare Schmerzstärke. Entscheidend ist, ob sich insgesamt ein relevanter therapeutischer Nutzen zeigt, beispielsweise durch:
• geringere Schmerzintensität
• weniger Schmerzspitzen
• bessere Belastbarkeit
• verbesserte Alltagsfunktion
• gegebenenfalls geringeren Bedarf an anderen Schmerzmedikamenten
Nach Abschluss der ersten Behandlungsserie wird gemeinsam entschieden, ob eine Fortführung oder spätere Auffrischungsbehandlung sinnvoll ist.
Ketamin ist keine alleinige Therapie chronischer Schmerzen. Die Infusionsbehandlung ist vielmehr ein möglicher Bestandteil eines individuellen schmerzmedizinischen Gesamtkonzeptes.
Bewegung, Physiotherapie, aktivierende Verfahren, medikamentöse Therapie und gegebenenfalls psychologische beziehungsweise psychosomatische Behandlungsansätze bleiben wichtige Bestandteile der Behandlung.
Eine erreichte Schmerzreduktion sollte insbesondere dazu genutzt werden, Aktivität und Funktionsfähigkeit wieder zu verbessern.
Die wiederholte niedrig dosierte Ketamininfusion zur Behandlung chronischer Schmerzen erfolgt außerhalb der hierfür arzneimittelrechtlich zugelassenen Anwendungsgebiete und damit als sogenannter Off-Label-Use.
Voraussetzung sind eine sorgfältige ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung, eine individuelle Indikationsstellung und eine ausführliche Aufklärung.
Ein Behandlungserfolg kann nicht garantiert werden.
Vor Behandlungsbeginn prüfen wir mögliche Risiken und Gegenanzeigen sowie Ihre bestehende Medikation.
Bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein unzureichend eingestellter Bluthochdruck, bestimmte psychiatrische Erkrankungen oder andere individuelle Risikofaktoren können gegen eine Behandlung sprechen.
Die Infusion erfolgt ambulant unter ärztlicher Verantwortung und medizinischer Überwachung in unserer Praxis.
Die Ketamininfusion bei chronischen Schmerzen wird in unserer Praxis als ärztliche Selbstzahlerleistung angeboten.
Über die entstehenden Kosten informieren wir Sie vor Beginn der Behandlung transparent.
Eine Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen besteht in der Regel nicht. Bei privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen hängt eine mögliche Erstattung vom jeweiligen Vertrag beziehungsweise Tarif ab.
Ob Ketamin bei Ihrer Schmerzerkrankung eine sinnvolle Behandlungsoption ist, lässt sich erst nach einer persönlichen schmerzmedizinischen Beurteilung entscheiden.
Dabei berücksichtigen wir die Art Ihrer Schmerzen, den bisherigen Krankheitsverlauf, bereits durchgeführte Therapien, Ihre aktuelle Medikation sowie mögliche Begleiterkrankungen.
Entscheidend ist, dass ein realistischer therapeutischer Nutzen die möglichen Risiken klar überwiegt.